Wer durch ein gepflegtes, parkähnliches Waldstück bzw. durch einen Forst geht, hat oft das Gefühl von Ordnung. Im modernen forstlichen Risikomanagement wissen wir jedoch: Ein zu akkurat „aufgeräumter“ Wald ist biologisch instabil und ökonomisch oft eine Fehlkalkulation.

Das gezielte Belassen von Totholz und das Ausweisen von Biotopbäumen wird im klassischen Asset Management immer noch häufig als reiner Ertragsverlust verbucht. Doch die moderne Forstwissenschaft und aktuelle Daten zu Kalamitätsschäden zeigen das Gegenteil – vorausgesetzt, man agiert mit forstlichem Verstand:

  • Der natürliche Forstschutz mit System: Totholz ja, aber nur, wenn keine Gefahr mehr von ihm ausgeht. Wir beobachten den Bestand genau. Handelt es sich um frisches Brutmaterial, wird rigoros gehandelt: umschneiden, entrinden und dann als wertvolles Substrat im Bestand belassen. So nehmen wir dem Borkenkäfer die Lebensgrundlage, erhalten aber die Biomasse.
  • Der Schwammeffekt und Schutzfaktor: Morsche Stämme am Boden fungieren wie gigantische Wasserspeicher, die die Feuchtigkeit im Mikroklima halten. Gleichzeitig dient liegendes Holz dem aufkommenden Jungwuchs als natürlicher Schattenspender und mechanische Windbremse. Ein unschätzbarer Schutz gegen die zunehmende Bodentrockenheit und extremere Wetterlagen.
  • Die Kosten-Nutzen-Rechnung: Der maschinelle Aufwand, um minderwertiges Holz aus schwierigen Lagen mühsam zu bergen, übersteigt oft den tatsächlichen Markterlös. Es fachgerecht aufbereitet im Wald zu belassen, spart operative Kosten und investiert direkt in die Resilienz des Bodens.

Wirtschaftlicher Erfolg und ökologische Substanz schließen einander im Revier nicht aus – sie bedingen einander. Wer den Wert einer Liegenschaft für die nächste Generation erhalten will, steuert den Forst nicht nach optischer Ordnung, sondern nach biologischer Widerstandskraft.

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