Das vergessene Wegenetz: Warum forstliche Infrastruktur nicht beim Lkw-Zubringer Wer die Erschließung eines Forstbetriebs optimieren will, blickt meist zuerst auf das Lkw-befahrbare Hauptstraßennetz. Neue Trassen werden geplant, Budgets im fünf- bis sechsstelligen Bereich kalkuliert. Ein massiver Hebel für die Logistikeffizienz und den Bodenschutz wird dabei jedoch oft übersehen: das historische, kleingliedrige Netz aus alten Forst- und Rückewegen.

In der Praxis zeigt sich immer wieder: Wenn wir nur in schweren Lkw-Zubringern denken, vernachlässigen wir die Kapillaren des Waldes. Das Reaktivieren und Einbinden dieser alten Wege sichert uns enorme Vorteile im operativen Betrieb:

  • Minimaler Aufwand, maximaler Nutzen: Ein alter, eingewachsener Weg hat bereits einen gesetzten, stabilen Unterbau. Anstatt teuren Neubau auf jungem Boden zu forcieren, reicht oft eine gezielte Pflege – das Freischneiden, eine eventuelle Verbreiterung und das Absichern des Wasserabflusses –, um diese Trassen im Handumdrehen wieder traktorbefahrbar zu machen.
  • Sinnvolle Symbiose statt Entweder-oder: Ich bin keineswegs gegen den Neubau von modernen Forststraßen – oft ist er für eine zeitgemäße Bewirtschaftung absolut notwendig. Die Kunst liegt aber in der intelligenten Planung: Ein neuer Lkw-Weg sollte von Anfang an so konzipiert werden, dass er die bestehenden Altwege als Zubringer und Kapillaren perfekt integriert, anstatt sie einfach brachliegen zu lassen.
  • Geländegängigkeit und Maschinen-Limits: Moderne, schwere Forstmaschinen stoßen in schwierigen Hängen oder Steillagen oft an ihre physikalischen Grenzen. Wo Großgeräte nicht mehr rauf oder runter kommen, schlägt die Stunde des Altweges: Er ermöglicht es, die Fläche mit kleinerem, wendigerem Gerät flexibel zu bewirtschaften. Ein unschätzbarer Vorteil – besonders bei der raschen, sicheren Aufarbeitung von Windwurf.
  • Bodenschonung als Substanzschutz: Nicht jeder Festmeter Holz muss mit schwerstem Gerät direkt an der Hauptstraße abgeholt werden. Ein intaktes Netz aus Nebenwegen ermöglicht flexiblere und schonende Ernteverfahren – vom leichten Forstschlepper bis hin zur bodenschonenden Holzrückung mit dem Pferd in sensiblen Lagen. Das schützt die empfindliche Humusschicht und verhindert teure Erosionsschäden.

Mein persönlicher Ansatz bei einer Revierübernahme:

Wenn ich ein neues Revier in die Verwaltung übernehme, ist mein erster Schritt immer eine gründliche Bestandsaufnahme der vorhandenen Substanz vor Ort. Das klingt selbstverständlich, ist es in der Realität aber leider oft nicht.

Ich erlebe hin und wieder eine Mentalität, bei der ohne tiefere Analyse – und oft auf Kosten der Eigentümer – reflexartig nur neue Großprojekte durchgesetzt werden sollen. Nach dem Motto: „Je neuer die Straße, desto besser …“ Das Gegenteil ist der Fall.

Wahre Kapitaleffizienz im Asset Management zeigt sich nicht darin, wie viel man neu baut, sondern wie intelligent man das bereits Vorhandene nutzt, schützt und mit sinnvollem Neuen kombiniert. Erst wenn die historische Infrastruktur voll ausgeschöpft ist, planen wir Erweiterungen. Alles andere ist eine unnötige Belastung des operativen Budgets.

Ing. Andreas Fuchs Fuchs’sche Forstrievier-Verwaltung

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